Für wie dumm hält die chinesische Führung ihr Volk?

Wang Xiaolu"Wenn es nicht so traurig wäre, müsste man laut lachen." So beginnt der Kommentar in der FAZ am 01.09.2015 zu dem vermeintlichen Geständnis des Journalisten Wang Xiaolu von der chinesischen Wirtschaftszeitschrift „Caijing“. Er hat in einem ausführlichen Fernsehinterview, das das chinesische Staatsfernsehen mit ihm im Gefängnis führte, vermeintlich gestanden: „So verursachte ich den Börsencrash“ (Vgl. auch FAZ)

Hinter dieser Leistung fallen alle bisherigen journalistischen Taten bei weitem zurück. Das ist die amüsante Seite des Ereignisses, die gleichwohl für Wang Xiaolu selbst höchst folgenreich sein wird.

Aber was bedeutet es, wenn die chinesische Regierung und sei es in Form ihres Regierungssenders so eine Verzerrung der Realität versucht? Sind es da nur die schwachen Daten, die die Börse am Folgetag (01.09.2015) weiter nach unten drücken? Oder sind es nicht einfach die dokumentierten Grenzen der chinesischen Regierung, die auf die Wirtschaft gar nicht so viel Einfluss nehmen kann, wie sie gerne möchte? Denn wenn Janet Yellen jedes Wort sorgsam abwägt, kann man der chinesischen Regierung nach nunmehr gut 2 Monaten Kursverfall nicht mehr 'Ungeschicklichkeit' zuschreiben.

Die chinesische Regierung täte gut daran, ihre Grenzen zu erkennen und danach zu handeln. Spätestens bei der Frage der Lohnsteigerungen in China in 2016 und welche Erwartung die Regierung dabei schürt, wird die Realitätsnähe der Regierenden deutlich.

Entweder sie lernt es selbst oder sie wird die Lehre des Internationalen Währungs-Fonds akzeptieren müssen, wenn der Renmimbi doch nicht zur Reservewährung gehören sollte.

[im September 2015]

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